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Mittwoch, 14. Juni 2017

Ist der Weg das Ziel?

"Es entschleunigt", höre ich noch den in Jack Wolfskin gekleideten Freizeit-Alternativen und meine Schwester erwidern: "Das kann ich mir vorstellen, man ist so bei sich." Nun gut, ich fand den Roller geil und habe mir auch einen angeschafft ... Oh, ich Ahnungslose!

Aha, es entschleunigt also und man ist so bei sich. Bedeutet "bei sich sein", dass man seinen Körper spürt? Dass alle lebenserhaltenden Körperfunktionen in infernalisches Gebrüll ausbrechen? Dass die Lungenbläschen eines nach dem anderen platzen, dass das Herz presslufthammerartig gegen den Brustkorb donnert, dass der Puls stakkato_esk gleich dem Kolben einer Dampfmaschine stampft, als ob das Blut in den Adern brodelt und der Vulkan gleich ausbricht? 

Bedeutet 'bei sich sein' vielleicht, dass man so erledigt ist, dass man nette Menschen, die einen am Wegesrand grüßen einfach nur dümmlich über den Rand seiner Brille - die auf dem sich längst gebildeten Schweißfilm langsam aber sicher in Richtung Nasenspitze rutscht - anstiert und sich stoisch weiter kämpft? Dass man genervt ist, weil man einen Hundehaufen schon wieder zu spät gesehen hat und zu schlapp ist, um drum herum zu kurven? 

Und dann dieser Spruch, dass der Weg das Ziel ist. Dem konnte ich überhaupt nichts abgewinnen und habe nur müde gelächelt. Bei mir ist immer noch das Ziel das Ziel und zwar nach Hause zu kommen und das möglichst lebendig. Pah, der Weg ist das Ziel ... tzäääää .... so ein Unfug! Entschleunigt, genau das - und nichts anderes  - ist es, Schneckentempo!

Auf Fragen bezüglich meines Rollertrainings, antwortete ich stets ausweichend, dass ich noch übe und beließ es dabei. Manchmal kam noch ein "Meine Güte, ist das anstrengend" hinterher. Ich übte mich im Vergessen, vergessen, dass es den Roller überhaupt gibt, ich übte mich im Roller ignorieren, im 'ein Mäntelchen des Schweigens' über ihn werfen, immer neue nicht einsehbare Verstecke für ihn zu finden, damit er mich nicht so anklagend ansieht ...

Nun, einige Kilometer und viele gerollerte Stunden später habe ich Demut gelernt. Der Weg ist das Ziel, rollern entschleunigt, man ist so bei sich und auf jeden Anstieg folgt eine Gefälle. Heißa, das macht Spaß, wenn man zur Belohnung in einem Affentempo bergab rollert. Das ist des Kickbikers Reward ...und der Hauptgewinn ist, wenn das Gefälle vor der Haustüre endet.
 

Samstag, 10. Juni 2017

Klappi, die Klappkatastrophe

Vor einiger Zeit schenkte ich Ruben, dem älteren Sohn ein Klapprad, das er im LKW mitnehmen kann, auf das er sich auf diversen Raststätten körperlich ertüchtigen ... oder mal zum Einkaufen radeln könne. Nun, was soll ich sagen, klappte (höhö) natürlich nicht, zu schwer, zu sperrig, what ever. Ok, er hatte recht, das Rad ist, trotz Klapp einfach zu sperrig und passt nicht in den LKW, ohne dass man den Beifahrersitz ausbauen müsste und davon mal ganz abgesehen, passt es auch nicht so ohne weiteres in mein Hippiemobil.

Wie dem auch sei, befasse ich mich ja schon seit längerem mit dem Thema 'Fahrrad und Bahn' und ließ mir im Tausch gegen Tante Helga nun dieses Klapprad geben, um bahnfahren zu üben. Mal mit kleinem Handgepäck, sozusagen. 

Drei Gänge hat das Rad, mehr braucht man hier in der Gegend nicht. Dumm ist jetzt allerdings, dass der dritte Gang so leicht ist, dass man quasi im Leerlauf pedaliert. Nun ja, ich könnte mir das Rad auf den Rücken schnallen, mit Ellie zum Bahnhof radeln, diese dann dort stehen lassen und mit Klappi Bahn fahren. Aber erst einmal muss ich den Sattel etwas höher stellen, denn offensichtlich ist das Rad für Zwerge konzipiert und ich bin ja eher so Mitte.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Verräterischer Akzent

Dummerweise konnte ich mal wieder meinen hyperaktiven Patschewatschel-Touchpad-Fingerchen nicht still halten und habe auf Strava eine Herrausforderung angenommen - irgendwie habe ich langsam das Gefühl, dass ich ein Wettkampf-Zahlenfreak bin (und virtuelle Abzeichen, Patches und Pokale liebe) - und so habe ich eine Challenge am Hals, bei der ich 5 Stunden lang LAUFEN muss. Gut, nicht am Stück und ich habe 2 Wochen Zeit, aber trotzdem, laufen, ich könnte kotzen ... Nun muss ich allerdings zugeben, dass ich Rollerfahrten als Läufe deklariere und demzufolge eben nicht kotze.

Naja, wie dem auch sei, heute Morgen habe ich in aller Herrgottsfrühe und zur besten Hundegassi-Runde Kartoffelbrei aus der Garage geholt und bin losgerolltert. Was erledigt ist, ist erledigt, duschen lohnt später mehr. Nun, was soll ich sagen, ein Herr, dem ich sonst immer auf dem gegenseitigen Fahrrad begegne, sprach mich auf meinen Roller an und dies und das. Auf jeden Fall meinte er nach meinem anderthalbsten Satz, dass ich wohl zugereist wäre, man merkt es an der Sprache, denn der Rheinländer an sich 'singt' beim Reden. 

"Ja", erwiderte ich stolz, "ich habe hessischen Migrationshintergrund, lebe aber seit gut 30 Jahren vor Ort." ... 

(Der 30-Jahre-Zusatz ist wichtig, denn die hiesigen Insulaner sind ein wenig eigen und man muss in mindestens 3. Generation in Grefrath leben und am besten noch im elterlichen Ehebett geboren sein, um als Grefrather durchzugehen - worauf ich natürlich eher weniger Wert lege, aber ich bin ja auch kein Grefrather ... wohl eigen, aber anders und außerdem zugereist.)

Aber nun zurück zum Thema, wir waren bei den 30 Jahren ... Ein Zeitraum, der ihn sichtlich verwunderte, denn nach 30 Jahren sollte man doch eigentlich die Landessprache sprechen ... ok, hat er jetzt nicht direkt gesagt, aber ich habe es hinein interpretiert. Nichtsdestotrotz ein sehr netter Mensch. 

"You hear my voice ... you hear that sound ... trallala ... Like thunder gonna shake the ground ... "
(Katie Perry, ROAR)

Die Federgabel macht sich übrigens ganz hervorragend. Heia, Safari, das macht Spaß!

Donnerstag, 1. Juni 2017

Ist Funny etwa schlappo oder Sarah-Louise einfach nur beleidigt?

Ellie steht in der Werkstatt und ich kann keine Kilometer sammeln. Das ist blöd ... äääh ... Moment, ich habe doch Sarah-Louise und man muss seine Gunst ja auch eigentlich gleichmäßig verteilen. 

Wie dem auch sei, heute wollte ich Fahrrad fahren und so zogen Sarah-Louise und ich los, wenigstens eine kleine Hausrunde zu drehen, vielleicht 20 Kilometer. Nun, ich bog wie immer ... wie fast immer auf den Bahnradweg in Richtung Nettetal und starb fast, sozusagen. Meine Oberschenkel brannten und ich freute mich nach ca. anderthalb Kilometern schon darauf, dass es nur noch 18,5 läppische Kilometer sind, bis wir wieder zu Hause sind. 

Meine Güte, was habe ich eigentlich so toll an Sarah-Louise gefunden? Meinem Koga F 3 Lady. Mit ihr bin ich letztes Jahr durch die Gegend geflogen, einem Sturmfalken gleich und jetzt komme ich kaum vom Fleck. Ich kämpfe mich die 1%ige Steigung hinauf und bin total erleichtert, als nach zweieinhalb Kilometern eine Minisenke von vielleicht drei Metern Länge kommt und mir das pedalieren erleichtert. Noch ein bisschen, dann geht es rechts ab und es folgt eine Abfahrt - sofern man am Niederrhein überhaupt von Abfahrt reden kann - von vielleicht anderthalb Kilometern. Nein, es geht wirklich ... sagen wir mal bergäblich. Heißa, das macht Spaß. Man muss ein bisschen aufpassen, weil auf halber Strecke, da wo man gerade so richtig viel Fahrt drauf hat, eine nichteinsehbare 90 Grad Kurve kommt, aber ich bin routiniert, hier fahre ich täglich ... fast täglich und plötzlich harmonieren Sarah-Louise und ich wieder. 

Der Fahrkomfort ist eindeutig besser, denn die Gabel dieses Bikes ist im Gegensatz zum eBike etwas gedämpft und die Reifen sind etwas balooniger. 

Es läuft. Es läuft sogar so phantastisch, dass wir an der Abbiegung zur 20 Kilmeter Runde vorbei rauschen und die 30er anpeilen und am Ende des Tages habe ich sogar respektable 18 km/h im Durchschnitt geschafft, was sogar etwas schneller ist, als wir sonst gefahren sind und ich schaffe sogar das 'Rad- und Rückenbruch-Segment' an Tor 9 in nur 7 Sekunden langsamer, als mit Ellie. Aber mit Ellie hatte ich die Poller angepeilt, die den Autoverkehr stoppen und an der Weiterfahrt hindern sollen und bin maßgeschneidert durch gebrettert. Hat geklappt ... Zwei Tage und mehrere Gedanken später habe ich mich das dann nicht mehr getraut und die eine oder andere Sekunde bremstechnisch auf der Strecke gelassen.

Ach da fällt mir ein: Mein Bruder, näää ... also mein kleiner Bruder will mit seinem alten Fahrrad auf dem Jacobsweg bis Portugal radeln, weil dort eine Party statt findet. Nun, und wie wir uns so unterhalten und ich erzähle, dass ich mit meinem normalen Fahrrad - also mit Sarah-Louise - locker 16 km/h schaffe, meint er, dass er 26 schaffen würde. Durchschnitt, wohlgemerkt! Häää? Mein völlig untrainierter Bruder? Der alles andere im Kopf hat, als Sport? 26 Kilometer in der Stunde? Na, das will ich sehen. Aber dann kommt der Knaller, denn er fährt immer nur so 5 Kilometer weit. Findet er viel. Hin- und Rückweg, das wollen wir festhalten. Wenigstens macht er sich Gedanken darüber, ob er 50 Kilometer Strecke am Tag hinter sich bringen kann, ist aber zuversichtlich. Na dann, ich bin gespannt ...

Mittwoch, 31. Mai 2017

Es schmerzt mich schon ein wenig

158 1/4 Stunden bin ich dieses Jahr mit dem Fahrrad gefahren und habe dabei 3111 Kilometer zurück gelegt, wovon ca. 1110 alleine auf diesen Monat fielen. Fahrrad fahren macht Spaß und ich war noch nie so ausgeglichen, wie zur Zeit. 

Blöd ist jetzt nur, dass heute die 3000er Inspektion ansteht und ich fahrradlos sein werde. Na gut, ich bin gemein, ich habe ja noch Sarah-Louise, die mir im letzten Jahr gute Dienste geleistet hat, aber .... ich bin eben nun mal leidenschaftliche Pedelecistin. Was für eine Entwicklung, wenn man bedenkt, dass ich bis dato immer über eBiker geschimpft und vehement behauptet hatte, dass man hier am Niederrhein, wo es geografisch gesehen sogar bergauf bergab geht, so was nicht braucht (was ja auch stimmt, man braucht es nicht, aber es ist mega). Aber da hatte ich ja auch noch nicht die Bekanntschaft mit Ellie, meinem Koga eXite gemacht - boah, das Rad ist so geil - und so trifft man mich meistens im Sattel an ... also wenn ich nicht zu faul bin und zu Hause auf dem Sofa rum liege. Ich meine, ferngucken hat ja auch was. 

Wie dem auch sei, nachher muss ich Ellie weg bringen, Kurzzeitpflege, sozusagen. Lil' Ben hat schon die Playsie installiert, damit ich weitere Folgen von 'Vikings' oder 'Sons of Anarchie' gucken kann und nicht so traurig bin. Oder 'Gilmore Girls', das finde ich auch ziemlich cool.

Montag, 29. Mai 2017

Pimp my XH-4

Nachdem ich nun den einen oder anderen Kilometer mit meinem Roller abgeleistet hatte, kamen ein paar Kleinigkeiten zum Vorschein, die es zu optimieren galt. Allem voran störte mich, dass der Roller keinen Seitenständer hatte und ich ihn jedes Mal irgendwo in die Gegend legen oder lehnen musste.  Ok, es gab immer gute Bilder, wenn Kartoffelbrei in der Landschaft rum lag oder in Zäune gehängt war. Aber im Dorf oder zum Einkaufen war es jetzt nicht so toll, wenn das Teil als Stolperfalle vor diversen Läden ruhte.

Leider gibt es an dem XH-4 keine Möglichkeit, einen Ständer zu befestigen und so musste ein kleines Loch an geeigneter Stelle gebohrt werden, sodass der Ständer fixiert werden konnte. Ok, suboptimal, aber ging nicht anders.

Außerdem hat mein Roller jetzt eine Federgabel, was dem Ganzen ein völlig neues Fahrgefühl gibt. Zwar hat der XH-4 Balloonreifen, bei denen die Stöße durch das Luftpolster abgedämpft werden, aber ich fand es auf Kopfsteinplaster doch recht unangenehm.

Die Frage, ob denn eine Federgabel nicht zu viel Energie schlucke, kann ich verneinen ... oder doch, ja, sie schluckt ein wenig Energie, aber das tolle Fahrgefühl macht das wieder wett und davon ganz abgesehen, kann man meine Gabel auch fest stellen, wenn es denn sein muss. 

Und so rollere ich fröhlich über Stock und Stein, da staunen nicht nur die Kühe. Ok, die Kühe staunten und ich rollerte gerade nicht über Stock und Stein, sondern über eine gepflegte Nebenstraße, aber das will ich jetzt mal nicht so eng sehen. 

Donnerstag, 25. Mai 2017

Vatertagsgeschichten

Letztes Jahr am Vatertag war ich mit dem Fahrrad zwischen Büsum und Brunsbüttel unterwegs und ich freute mich, endlich Menschen in Schleswig-Holstein zu sehen, die sich bisher nicht so gezeigt hatten. Ich war schon der Meinung, dass diese Gegend Deutschlands überhaupt nicht besiedelt ist, aber am Vatertag werden die Bewohner - so es sie denn gibt - doch wohl ausschwärmen. Auf Fahrrädern, mit Bollerwagen und Bier. 

Nun, was soll ich sagen, sie waren spärlich, obwohl ich am nächsten Tag doch jede Menge Hinterlassenschaften in Form von Einweggrills etc. am Wegesrand gesichtet habe - also mindestens drei - und mich schon ein wenig wunderte, wer denn da gefeiert hat. 

Dieses Jahr am Vatertag radle ich vor Tau und Tag meine übliche Runde, pupse fröhlich Schmetterlinge und rülpse Sternenstaub, bevor die Radwege von Vätern und Nicht-Vätern, die reichlich Bier in Plastikbechern balancieren, verstopft sind. Nun, ich habe Glück, denn als ich nach zwei Stunden den heimatlichen Hafen wieder ansteuere, geht es los ... mit radelnden Vätern und Nichtvätern, in Horden, nebeneinander fahrend mindestens in Dreierreihe, mit reichlich Bier in Plastikbechern balancierend, dazu schallend laute Musik. Auf uns Niederrheiner ist eben Verlass ...

Menschenleere zwischen Büsum und Brunsbüttel